Ute Schindler-Neidlein und Mirco Göbel nominiert

Wahlen

Frischer Wind in der SPD zur Landtagswahl 2016

Am vergangenen Wochenende hat der SPD-Kreisverband Main-Tauber in seiner Nominierungskonferenz die Weichen für die Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg gestellt. Unter Anwesenheit der Bundestagsabgeordneten Dorothee Schlegel wählten die Delegierten jeweils einstimmig als Landtagskandidatin Ute Schindler-Neidlein aus Creglingen und als ihren Stellvertreter Mirco Göbel aus Wertheim.

Das Wahlgremium aus allen Ortsvereinen im Main-Tauber Kreis war bis auf zwei Delegierte komplett angetreten. »Das gab's noch nie« konnte der Wahlleiter und Kreisvorsitzende Joachim Thees erfreut feststellen. »Die bereits im Vorfeld bekannt gewordene Kandidatur von Ute Schindler-Neidlein hat offensichtlich Strahlkraft.«

»Politik hat schon immer mein Leben begleitet«, eröffnete die Kandidatin ihre Vorstellung. Für die SPD in Creglingen war die Vorsitzende des dortigen Ortsvereins jahrelang eine feste Größe im Gemeinderat. Seit der letzten Kommunalwahl vertritt sie den Oberen Bezirk im Kreistag, wo sie, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Kraft, aufgrund ihrer kommunalpolitischen Erfahrung großen Respekt genießt. Für den Ortsverein Creglingen hob Anne Emmert die Kommunikationsfähigkeit und Zielstrebigkeit der Kandidatin hervor: »Sachkenntnis ist das A und O in der Politik, und Ute hat sich immer sachkundig gemacht, ehe sie etwas unternommen hat. Dazu hat sie auch viele Kontakte geknüpft und so nach und nach ein unschätzbares Netzwerk aufgebaut, von dem die Fraktion und der Ortsverein immer profitiert haben.«

Ute Schindler-Neidlein ist 1962 im Creglinger Ortsteil Lichtel geboren und Mutter von vier Kindern. Politisch legt sie ihren Schwerpunkt auf Finanzen, Arbeit und Bildung. »Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle«, zitierte sie Robert Bosch und ergänzte: »Wir haben mit dem Tariftreuegesetz in Baden-Württemberg das Eis für den bundesweiten Mindestlohn gebrochen. Gute Arbeit zählt von Haus aus etwas in unserem Land.« In der Bildung habe sich die SPD in Baden-Württemberg für mehr Chancengerechtigkeit stark gemacht: Die beiden »großen G« – Ganztagsschule und Gemeinschaftsschule – werden von all denen begrüßt, die »mittendrin sind in diesen Schulformen: die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Lehrkräfte«. Zukunftspolitik betreibe die SPD in Sachen Bildung auch mit der BAFÖG-Reform auf Bundesebene und der Stellenpolitik auf Landesebene: »Unter der grün-roten Landesregierung sind 10 000 mehr Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen, als von der CDU geplant.«

Dass die grün-rote Landesregierung den ländlichen Raum vernachlässige, widerlegten die Fakten, so Ute Schindler-Neidlein. Beispiel Straßenbau: Endlich würden nun die von der Vorgängerregierung systematisch hinterlassenen Lücken geschlossen: »Da gab es Straßen, die zehn Jahre lang nicht fertig wurden, Wege, die im Nirgendwo endeten. Dieser Wahnsinn wurde beendet.« Gegen die Stimmen der CDU beschloss der Landtag ein entsprechendes Straßenbauprogramm, »weil auf den Landesstraßen die Pendler zur Arbeit fahren, die Kinder zur Schule gebracht werden, die Familien zum Einkaufen oder zum Arzt fahren, weil der Güternahverkehr auf sie angewiesen ist. Wohlstand kommt auf guten Wegen, aber die müssen auch befahrbar sein.«

Das Zukunftsprogramm »Industrie 4.0«, eine menschenzugewandte Flüchtlingspolitik, Pflege und Gesundheit: Vieles wurde umgesetzt, manches begonnen, und nun gelte es, diese gute Politik nach 2016 weiterzuführen.

Dass ein Zweitkandidat ein sehr markantes Profil haben kann, beweist der Wertheimer SPD-Gemeinderat Mirco Göbel. Der 1972 in Aschaffenburg geborene Lehrer ist auch als Schöffe und Fußballtrainer aktiv. Mirco Göbel, so sein Fraktionskollege Walter Hörnig, ist einer, »der einen eigenen Stil hat, der progressiv ist und kreativ, für den Worte wie ›alternativlos‹ schlicht nicht existieren«. Als Lehrer und Vater zweier Kinder kennt er das baden-württembergische Bildungssystem wie seine Westentasche und unterstützt den Umbau zu einem Zweisäulensystem aus Gemeinschaftsschule und Gymnasium. Ebenfalls aus erster Hand kennt er die Flüchtlingspolitik, denn schon als Schüler des Gymnasiums in Uffenheim begegnete er Flüchtlingen aus Vietnam, Menschen, die wie heute auf Booten über das Meer zu uns gekommen waren. In der Aufnahme der Flüchtlinge liege noch manches im Argen, so Göbel: »Der Landkreis entscheidet nach Gutsherrenart über die Standorte der Flüchtlingsunterkünfte, ohne Politiker und Bürger oder die Helferkreise vor Ort in die Entscheidung einzubinden.« Eine Verbesserung der Koordination sei der nächste und notwendige Schritt.

Göbel warb für den Typ des »moralischen Politikers«, der zynischen Pragmatismus ablehnt, und sagte vom Politikstil, den die Bevölkerung des Main-Taubers-Kreises von den beiden SPD-Kandidaten erwarten darf: »Ein ehrlicher Politiker folgt einem Pragmatismus, der sich auf Prinzipien gründet, und hat bei allem politischen Handeln den Mut, auch unangenehme Dinge zu sagen, behält aber nichtsdestotrotz eine stets konstruktive Haltung bei. Sich danach messen zu lassen, das sollte Utes und mein eigener Anspruch sein im Hinblick auf die kommenden Aufgaben.«

 
 

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